Viele meinen ja, Wichtel gäbe es nur im Advent, zwischen Lichterketten und Plätzchenduft. Das ist ein hübscher Irrtum. Wenn die Tage lang werden und die Fenster offenstehen, sind meine kleinen Freunde besonders fleißig, nur eben draußen, wo niemand so genau hinsieht.
Im Sommer zieht es Wichtel in den Garten, auf den Balkon, in die Ritzen zwischen den Pflastersteinen. Sie sammeln Sonnenwärme in winzigen Krügen, sie zählen Marienkäfer und sie halten Mittagsschlaf in der Schattenhand eines großen Blattes. Wenn ihr morgens einen Tautropfen auf einem Gänseblümchen findet, der genau wie ein Spiegel aussieht, dann hat dort wahrscheinlich jemand sein Gesicht gewaschen.
Für die Wichtelzeit zu Hause heißt das: Ihr dürft das Türchen ruhig auch jetzt stehen lassen. Legt mal ein Beerchen davor, eine Blütenblatt-Decke, einen Kieselstein mit einem aufgemalten Sonnenhut. So lernt euer Kind, dass der kleine Freund nicht im Januar einfach verschwindet, sondern einfach ein anderes Leben führt, eines mit mehr Sonne und weniger Schnee.
Und falls euch jemand fragt, warum mitten im Juni eine winzige Tür an der Wand klebt, dann sagt einfach die Wahrheit: Wunder kennen keine Jahreszeit. Sie machen nur Pause, wenn man aufhört, an sie zu glauben.
Eure Wanda

