Liebe müde Eltern, ich sehe euch. Es ist halb elf, der Tag war lang, und irgendwo wartet ein Wichtel darauf, etwas anzustellen. Lasst mich euch beruhigen: Wichtel sind keine Bühnenkünstler. Sie sind klein, ein bisschen schusselig und am liebsten haben sie Quatsch, der in einer Atempause passiert.
Erstens: die Wattebausch-Wolke. Ein paar Wattebäusche vor der Wichteltür, fertig ist die Nebelnacht im Wunderwald. Zweitens: die umgedrehte Sache. Ein Bilderrahmen steht kopf, ein Schuh hängt am Türknauf. Kinder lieben es, wenn die Welt ein kleines bisschen verrutscht ist.
Drittens: die Fußspur-Bande. Mit ein wenig Mehl und einem Finger ein paar winzige Tapser über den Tisch wandern lassen, mitten hinein in die Keksdose. Viertens: der Mini-Stau. Drei, vier Spielzeugautos in einer ordentlichen Schlange vor der Tür, als wäre dort gleich Berufsverkehr. Fünftens, mein Liebling: der freche Zettel. Ein einziger Satz in krakeliger Schrift, etwa „Wer hat meine Mütze gesehen?“, gut sichtbar an den Kühlschrank geklebt.
Mehr ist es nicht. Sucht euch abends einen aus, macht ihn im Vorbeigehen, geht ins Bett. Der Streich, an den sich die Kinder in zwanzig Jahren erinnern, ist fast nie der aufwendigste. Es ist der, bei dem ihr gelächelt habt, statt euch zu stressen.
Eure Wanda

