Es gibt diesen einen Morgen, an dem alles anders ist. Über Nacht ist an der Fußleiste eine winzige Tür aufgetaucht, kaum höher als eine Streichholzschachtel, mit einem schiefen kleinen Knauf. Ich verspreche euch: Kein Kind geht an dieser Tür vorbei, ohne stehenzubleiben und die Luft anzuhalten. Genau dafür ist sie da.
Mein Rat aus vielen, vielen Wintern: Sucht euch eine ruhige Ecke aus, am liebsten dort, wo abends ohnehin gekuschelt wird. Hinter dem Bücherregal, neben der Heizung, unter der Treppe. Wichtel mögen es warm und ein bisschen versteckt. Die Tür selbst muss nichts können außer da sein. Ein Türchen aus Pappe, ein bemalter Stein davor als Stufe, vielleicht eine Laterne aus einer Perle. Mehr braucht der Zauber nicht.
Macht es euch leicht am ersten Abend. Kein großer Auftritt, keine lange Geschichte. Legt einfach einen winzigen Brief vor die Tür, in dem sich der Wichtel vorstellt und sagt, dass er eine Weile bleiben darf, wenn es recht ist. Kinder antworten darauf von ganz allein, mit Krümeln, mit Bildern, mit geflüsterten Fragen an die Türritze.
Und wenn am nächsten Morgen ein Krümel verschwunden ist und ein Dankeschön in winziger Schrift daliegt, dann ist er angekommen. Nicht der perfekte Wichtel aus dem Internet, sondern euer Wichtel. So beginnt der Zauber, und ehrlich gesagt hört er nie ganz wieder auf.
Eure Wanda

